Buchempfehlung "Seelenfraß - Wie Sie den inneren Terror der Angst besiegen"
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Die Therapeutin: "Angst wird oft als Stress verdrängt" Psychiaterin Margot Schmitz über Angst im Job und Lösungsstrategien |
Wissen Sie, wer am besten schläft? Beamte. Der Grund: Sie sind meist nicht solchem Druck ausgesetzt wie Menschen in anderen Berufen. Sie müssen keine Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren. Deshalb leben sie stress- und angstfreier. Und ruhen besser.
Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes quält viele Menschen. Die Angst vorwirtschaftlichem und sozialem Abstieg. Vor allem, wenn sie das Gefühl haben, gegen die Gefahr nichts ausrichten zu können. Hilflosigkeit treibt in Angst. Wer das Gefühl hat, berufliche Aufgaben nicht bewältigen zu können, wer fürchtet, zu scheitern, steht innerlich ebenso unter Strom. Genauso wie jene, deren Chefs erbrachte Leistungen nicht anerkennen oder jeden Moment damit rechen müssen, Vorwürfen, Anschuldigungen und Launen ihrer Vorgesetzten ausgesetzt zu sein. Dabei treten Chefs besonders autoritär auf, wenn sie selbst Angst haben, Anforderungen nicht gewachsen zu sein.
Wer für Probleme, mit denen er konfrontiert ist, Lösungen finden kann, hält Stress aus. Doch wer meint, dauernd im Stress zu sein, fühlt sich überfordert. Chronischer Stress ist nichts anderes als die Angst, den Anforderungen des Alltags nicht gewachsen zu sein. Wer diese Angst als Stress bezeichnet, versucht so, sie zu verdrängen.
Das hilft ihm freilich nicht. Der Körper rebelliert. Bei chronischem Stress läuft er nämlich ständig auf Hochtouren. Er verbraucht enorme Energie. Das erhöht den Verschleiß. Und füttert den Seelenfraß. Chronischer Stress, Angst, richtet im Kopf ein biochemisches Chaos an. Stresshormone, zum Beispiel Cortisol, brauchen wir, um in akuter Gefahr schnell reagieren zu können. Bei anhaltendem Stress jedoch wirken diese Hormone wie Gift. Sie greifen das Areal im Hirn an, das zuständig ist für Orientierung und uns hilft, Angst zu bewältigen: den Hippocampus. Dort sterben Nervenzellen ab. Das Denk-Hirn schrumpft. Das Gedächtnis nimmt Schaden. Es wird schwieriger, Zusammenhänge zu begreifen. Dadurch wächst die Angst.
Damit nicht genug. Angstzustände fördern den Stoffwechsel in den Hirnarealen, in den sich Angst manifestiert: in der Amygdala. Das Angst-Hirn baut seine Herrschaft aus. Angst-Coaching ist das beste Stressmanagement, weil es darauf zielt, das Angst-Hirn in Schach zu halten, das Denk-Hirn zu stärken, Probleme zu lösen und Angst selbst (!) zu managen. Ein guter Angst-Coach ist nichts anderes als ein Managementberater.
Ist das Angst-Hirn außer Rand und Band geraten, mag es nötig sein, diese Störung zuerst mit einem Medikament zu behandeln. Damit die Überaktivität des Angst-Hirns aufhört. Dazu bedarf es genauer fachärztlicher Diagnose. Wer an einer solchen Angststörung leidet und Angst vor Psychiatern hat, schneidet sich rasch den Weg ab, der ihn aus der Angst herausführen könnte.
Was sonst hilft? Sport. Dadurch bauen Sie Stresshormone ab. Was schadet: Alkohol, Kaffee und Zigaretten. Damit treiben sie Stress noch mehr an.

