Seite 2/2, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005, Nr. 19
Daß er schon als Teenager aus seiner engen Heimat in die große weite Welt ziehen konnte, lag am Beruf seines deutschen Stiefvaters Markus Schmitz. Der Rheinländer ist Auslandskorrespondent beim ZDF, und vor acht Jahren zog die Familie von Wien in die Vereinigten Staaten. Am College der kalifornischen Stadt Stanford durchlief Markus Rogan die harte amerikanische Schwimmschule. "Dort gibt es hundert Schwimmer, auf die der Hammer so lange draufhaut, bis drei Weltmeister übrigbleiben", sagt Rogan, der beim Weltcup in Berlin die Rennen über 100 Meter (zeitgleich mit Thomas Rupprath) und 200 Meter Rücken gewann. Im vergangenen Jahr bestand er an der Universität die Abschlußprüfung in den Fächern Internationale Beziehungen und Wirtschaft mit Auszeichnung. Inzwischen ist er mit seiner Familie in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt, unter professionellen Bedingungen will er sich auf die nächsten Olympischen Spiele 2008 in Peking vorbereiten. Dank lukrativer Verträge - unter anderem mit der Raiffeisenbank, für die auch Hermann Maier wirbt - ist Rogan bei seinem goldenen Plan Peking finanziell abgesichert. Wie die Fliegen hätten sie sich nach Athen an Markus herangeschmissen, sagt sein Stiefvater, der auch als sein Manager fungiert, "aber uns war von Anfang an klar: Wir wollen kein Projekt Zirkuspferd." So kann es sich Rogan inzwischen auch leisten, selbst ein 8000- Euro-Angebot für eine Autogrammstunde abzulehnen.
Derweil hat der begnadete Selbstdarsteller ("Neue Zürcher Zeitung") seinen Spaß an dem Spiel mit den Medien. Mit aufreizender Selbstgewißheit beantwortet er Fragen - etwa die, warum Österreich seine Sportstars so inbrünstig verehre. Antwort: "Ein Land, das in den letzten 150 Jahren alle Kriege verlor, ist ausgehungert nach Helden." Einen populären Reporter des Österreichischen Rundfunks, der ihn gleich nach seinem ersten Finalrennen in Athen mit der Un-Frage überfiel, wie er sich denn jetzt fühle, konterte er elegant vor laufenden Kameras aus - er erwiderte: "Eine interessante Frage! Wie sind Sie denn darauf gekommen?" Spricht man ihn auf solche Provokationen an, sagt er: "Es gibt nichts Faderes als erfolgreiche, dumme, uncharmante Sportler." Auch über das ominöse Thema Druck, der die deutschen Schwimmer bei Olympia regelmäßig bremst, spricht der Sohn einer Psychiaterin mit erfrischender Leichtigkeit. Ja, sagt er, Druck könne lähmen - "aber nur den, der die Aufmerksamkeit nicht liebt". Er selbst ist von diesem Verdacht völlig frei. Auf seiner Internet-Seite findet sich der berühmteste aller Fragebögen, und gleich die erste Frage lautet: "Was ist für Sie das größte Unglück?" Seine Antwort: "Ignoriert zu werden."
Von Gerd Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005, Nr. 19
Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv