Seite 2/5 Artikel News Nr.8 24.02.2005
Schritt für Schritt gehen, nichts zu überstürzen, auf Rückschläge vorbereitet zu sein, das sind verallgemeinerbare Rezepte. Aber diese Konzentration auf ein Ziel, in Ihrem Fall die Olympiade, birgt das nicht auch Gefahren
Das war ein brutales Spiel gegen
mich selbst. Nicht ohne Risiko. Einerseits war mir klar: Wenn du's
schaffst, dann hast du es geschafft. Aber ich erkannte auch — und
dabei haben mir meine Eltern sehr geholfen, dass ich meine Identität
nicht davon bestimmen lassen darf, ob ich dieses eine Ziel erreiche.
Sonst hätte ich mich womöglich selbst als Loser ansehen
müssen. Die Erwartungen in der Öffentlichkeit waren ja
noch nicht so hoch.
Die Olympiade brachte aber den
Durchbruch, jetzt gibt es auch für Sie stets große Erwartungen,
wie bei den Skifahrern.
Jetzt stimmen die Erwartungen der
Außenstehenden mit meinen überein. Wenn ich 2000 öffentlich
gesagt hätte, ich werde Dritter, hätte man mich für
verrückt gehalten. Heute ist das anders, erwartet man von
mir ebensolche Spitzenränge wie ich selbst von mir. Aber die
gesamte Öffentlichkeit steht auch hinter mir.
Solange Sie diese Erwartungen erfüllen.
Es bedarf doch großer mentaler Stärke, mit diesem Erwartungslevel
umzugehen. Woher kommt diese Stärke?
Wichtig ist, dass Schwimmen für
mich tatsächlich nicht alles ist. Und es hat damit zu tun,
dass ich eben keine abrupte Steigerung geschafft habe, sondern
eine lineare, sozusagen vertrauensbildende. Nur in der Öffentlichkeit
wurde das anders wahrgenommen, nach dem Motto: Jetzt ist ihm der
Knopf aufgegangen. Das ist übertrieben. In Wirklichkeit kommt
man stets nur mit vielen kleinen Schritten voran.
Und irgendwann gleitet man auch
mit kleinen Schritten wieder abwärts, meist nicht mit einem
großen Knall. Beunruhigt Sie das unabwendbare Ende Ihrer
Erfolgskurve?
Nein, ich weiß, bis dahin
suche ich mir etwas anderes, das mir Spaß macht und mich
fordert. Ich weiß von anderen Sportlern: Wenn man glaubt,
schon ständig am Weg nach unten zu sein, fällt man ab.
Deshalb diese Rederei vom Aufhören zum richtigen Zeitpunkt.
Ist der richtige Zeitpunkt, sich andere
Herausforderungen zu suchen, jener am Gipfel der bisherigen Karriere?
Der beste Zeitpunkt scheint mir
der zu sein, wenn man alle sportlich definierten Ziele erreicht
hat. Viele meiner Freunde kämpfen noch, um sich selbst etwas
ganz anderes zu beweisen, da verkrampft man dann leicht. Ich selbst
muss mir sportlich nicht mehr so viel beweisen.
