Seite 4/5 Artikel News Nr.8 24.02.2005

Sie waren bis zu Ihrem 14. Lebensjahr in österreichischen Schulen. Wie ist es da gelaufen?
Weniger gut. In der Volksschule Börsegasse hatten wir einen Lehrer, der fast nur Einser verteilt hat. Ich war einer der wenigen mit ein paar Zweiern. Ins Gymnasium bin ich in die Schottenbastei gegangen, da bekam ich dann auch Dreier, selbst in Mathematik, dem meiner Meinung nach besten Fach. Das war dann cooler, man sprach plötzlich auch über Mädchen, ich blieb dennoch im guten Klassendurchschnitt. Dass ich überhaupt an guten Noten interessiert blieb, dafür war eine gute Freundin verantwortlich, die hinter mir saß und lauter Einser hatte. Die hat mir nicht nur durch Schummeln geholfen, sondern als Vorbild. Damals wurde mir das erste Mal die bedeutende Dynamik von Gruppen klar, auch solchen, die nur aus zwei Leuten bestehen. Das hat mir auch später in den USA sehr geholfen. Auch in den Klassen: Dort gab es extrem viele Ausländerklassen mit vielen Mexikanern, Pakistanis oder Indern. Da fühlt man sich anfangs als Europäer ziemlich allein. Eben bis man akzeptiert wird, ohne Ansehen der Nation. Und bei den Wettkämpfen in Amerika sind wir ja auch als Mannschaft angetreten. Dort geht es auch darum: Wer ist das beste Team? Um das zu werden, braucht man Teamgeist.
In den USA haben Sie Anerkennung vor allem durch sportliche Leistungen geschafft, in Österreich sind Sie nicht nur dadurch fast schon zum nationalen Helden geworden. Wohl auch, weil Sie bei der Olympiade in Athen extreme Fairness bewiesen haben, überhaupt nicht protestierten, als Sie eine kurzzeitig gewonnene Goldmedaille wieder verloren haben. War da nicht auch im Hinterkopf: Ich will als extrem fairer Kerl dastehen!
Das kann sich in einer solchen Situation, glaube ich, keiner vornehmen. Da läuft zu viel gleichzeitig. Was alles, weiß ich bis heute nicht. Das Rennen lief für mich wirklich wie immer im Zeitlupentempo ab. Ein gutes 2-Minuten-Rennen dauert für mich stets 10 Minuten, da habe ich endlos Zeit, mich zu konzentrieren. Nach dem Ende war mir klar, nicht Olympiasieger zu sein, sondern mit knappem Abstand Zweiter. Zuerst habe ich sogar geglaubt, disqualifiziert zu werden, weil ich das Gefühl hatte, bei der dritten Wende zu weit getaucht zu sein. Dann ist der Sieger disqualifiziert worden, mir war sofort klar, dass das nicht passt. Dennoch hat Leo Wallner mit mir schon die Hymne für die Siegerehrung geübt. Dann hat sich alles wieder gedreht. Das war keine Enttäuschung, weil ich gespürt habe, dass das für mich passt. Ich habe eben meine Rolle in dem Spiel richtig erkannt, das kann jeder Sportler, der mitdenkt. Vielleicht wäre ich sonst bei der Siegerehrung sogar ausgebuht worden, das ist wohl die größte Angst eines Sportlers. Erst dann habe ich meinen Vater angerufen und scherzhalber gefragt, ob es einen Fairplay-Preis bei der Olympiade gibt.
Ihr Vater, eigentlich Stiefvater, ist zugleich Ihr Manager. Sehr viel Nähe, zugleich Zeichen eines starken familiären Kraftfeldes.
In voller Dimension ist er das erst seit einigen Monaten, nach Beschluss unseres Familienrates. Ich würde ihn nicht einfach als Manager bezeichnen. Zumindest haben wir ein neues Managementkonzept entwickelt, wo wir beweisen, dass es bei optimaler Zusammenarbeit nicht primär um Grundwissen, Beziehungen oder finanzielle Ressourcen geht, sondern um psychologische Dynamik, produktive Auseinandersetzung, vor allem um Grundsatzvertrauen.
Das sich in Ihrem Fall auch beim Umgang mit der Öffentlichkeit auswirkt. Schließlich ist Ihr Vater ja nicht nur Angstcoach, sondern auch Journalist.
Das ist sicher ein Riesenvorteil. Vor allem weil er sich auskennt, wie man mit welchen Medien auf welcher Ebene umgeht. Ich habe auch deshalb nie Angst vor Medienkontakten.