Seite 2/3, Artikel 11. / 12. Dezember 2004, Neue Zürcher Zeitung; Christof Gertsch
Und er scheint kein Ende zu nehmen. Die internationale Karriere des Markus Rogan begann 2001 an den Weltmeisterschaften in Fukuoka, wo er Silber über 200 m Rücken gewann. An den Europameisterschaften im vergangenen Frühling in Madrid holte Rogan unter anderem zweimal Gold, an den Olympischen Spielen zweimal Silber. Einen Moment lang galt der Österreicher in Athen im Rennen über 200 m Rücken gar als Olympiasieger. Obwohl man inzwischen weiss, dass die wieder rückgängig gemachte Disqualifikation des US-Amerikaners Aaron Peirsol gerechtfertigt gewesen wäre, ärgert sich Markus Rogan auch heute noch nicht über seine faire Reaktion von damals, als er sich für Peirsol eingesetzt hatte: «Man weiss heute auch, dass Maradonas Hand Gottes damals nicht die Hand Gottes war. Das interessiert keinen mehr. Auch bei mir ging es nur um eine von 300 Goldmedaillen.» Am Donnerstag schliesslich, am ersten Wettkampfnachmittag in Wien, wurde Markus Rogan zum zweiten Mal Doppel-Europameister über 200 m Rücken und 200 m Lagen.
Innert 49 Minuten notabene. Etwas, das vor ihm noch keiner geschafft hatte. Markus Rogan aber ist nicht ein Star, nur weil er schnell schwimmen kann. Markus Rogan ist perfekt. Er sieht gut aus, ist intelligent, er hat in seiner Zeit in den USA (bis zu den Olympischen Spielen in Athen) an der Universität von Stanford den Bachelor in Internationalen Beziehungen gemacht.
Er ist erfolgreich und beliebt. Er wirkt sympathisch und eloquent, weiss auf jede Frage eine Antwort und sagt Dinge, die man so gemeinhin nicht aus dem Mund eines Sportlers erwarten würde: «Es macht mir Spass, intelligente Fragen zu beantworten.» Und: «Der Grat zwischen Sieg und Niederlage wird immer schmaler mit jedem Rennen, das ich gewinne.» Oder: «Wer ein Star ist, muss dreierlei Eigenschaften in sich verbinden. Er muss Erfolg haben, Persönlichkeit und den Ehrgeiz, überhaupt ein Star sein zu wollen.»